Gedankenausflug

Gedanken zum Thema Stille.

Wann hast Du zum letzten mal Stille wahrgenommen ? Ich meine damit nicht die geräuschearme Zeit die irgendwann nachts den Lärm des Tages etwas abmildert. Vielmehr denke ich an den Zustand der uns die Möglichkeit gibt tief in uns hinein zu hören und das Gefühl vermittelt eins zu sein mit dieser Welt. Wobei ich bei Welt nicht die urbanen Lebensräume meine, sondern die Wurzeln unseres Seins, die Natur.

Bilder und Gedankenfetzen ...



Diffuses Licht, nur schemmenhafte Umrisse am Horizont. Du ziehst deine Spur durch den Schnee. Jedes Geräusch scheint verloren im weißen Nichts. Du bist ganz bei dir, dein Tempo bestimmt deine Wahrnehmung, deine Wahrnehmung dein Tempo.
An einem anderen Ort folgen Massen den vorgegebenen Spuren der Zivilisation. Ihre Wege sind schnell, gut ausgebaut und wenig Selbstbestimmt. Sie hetzen an ihrem Leben vorbei.



Weiße Welt, alles scheint in Farblosigkeit zu verschwimmen. Die wenigen Dinge treten umso klarer hervor. Dein Auge konzentriert sich auf das Wesentliche. Die Natur gibt dir den Weg vor.
Die Asphaltwüsten der Städte ähneln aneinander, auch hier scheint alles zu verschwimmen. Straße um Straße, Häuserreihe um Häuserreihe. Die Menschen suchen nach Orientierung, doch die Sinne sind überfordert. Lärm, Geschäfte, Verkehr, rastlose Massen.



Das Einfache, weniger aufdringliche ist dein Ziel. Du bist lange gelaufen, hast geschwitzt und gekämpft. Deine Belohnung ist eine einfache Hütte in der Stille der Abgeschiedenheit. Weit weg, alleine auf dich gestellt, verantwortlich für dich.
Im "normalen" Leben ist Wärme, Wasser und Energie zur Selbstverständlichkeit geworden. Wir drehen den Hahn auf, wenn wir Wasser brauchen, schauen ins Internet wenn wir wissen wollen ob es draussen regnet. Der Glaube an die Technik ist unsere Religion, die Verantwortung geben wir gerne an sie weiter.



Die Luft ist klirrend kalt, der See liegt einsam und klar vor dir. Im Hintergrund zaubert die tiefstehende Sonne ein märchenhaftes Licht auf die Berge. Du stehtst einfach nur dort und tiefe Zufriedenheit durchströmt dich.
Fernab stehen tausende Autos im Stau, kein vorwärts kommen. Die tiefstehende Sonne ist nicht zu sehen, über das flache Land hat sich ein dichter Schleier aus abgasgeschwängerter Luft gelegt. Alle wollen nach Hause, endlich etwas Ruhe finden um am nächsten Morgen in umgekehrter Richtung wieder im Stau zu stehen.



Du konzentrierst dich, Schritt für Schritt gehst du bewußt. Der Grat ist schmal, er fordert deine volle Aufmerksamkeit. Du könntest eine Nadel im Heuhaufen fallen hören, so Still ist es in dir.
Die Fußgängerzonen sind voll mit Geschaften. Links und rechts, überall verheißungsvolle Angebote, Sales, Dinge die man meint zu brauchen. Wir werden überflutet von Reizen, Verlockungen. Unsere Schritte nehmen wir dabei nicht wahr.



Das Wetter war schlecht, kaum eine Chance auf Wolkenlücken. Du bist trotzdem los, bist einsam durch den Bergwald, über die verlassenen Almen, hast dich die ewigen Geröllfelder hochgeackert um nach vielen Stunden endlich Oben zu sein. Deinen Rucksack stellst du an den Steinmann. Dann reißt unerwartet die Wolkendecke für paar Minuten auf. Weit und breit ist niemand unterwegs, nur du bist am Berg.
Das Festzelt ist voll, sehr voll. Die Musik gibt den Takt an. Laut und hektisch. Viele fühlen sich wohl. Es wird getrunken und gelacht aber auch gepöbelt. Die Bedienungen rennen im Akkord. Wer fertig ist, fährt mit der übervollen U-Bahn nach Hause.



Es erfordert deine Konzentration, ganz vorsichtig balancierst du den Stein aus. Du bist ganz tief versunken in deinem Tun. Es ist ein Spiel mit den Naturgesetzen der Schwerkraft. Ein völlig nutzloses. Die Berge im Hintergrund stehen als prachtvolle Kulisse für dein kleines Kunstwerk.
Hektisch scrollen wir unsere emails hoch und runter. Anschließend noch schnell small talk Kommunikation über social media. Wichtiges und unwichtiges schnell und effizient abarbeiten und auf alle Fälle up to date bleiben. Die Steine in unserem Alltag sind ganz andere und nicht für Steinmänner geeignet.



Es gibt Berge die stehen einsam und still aus ihrer Umgebung heraus. Sie strahlen einen ganz eigenen Reiz aus, der nicht prahlt und nicht einschüchtert. An solchen Orten können wir die Stille hören, sie schreit gerade zu. Es sind angenehme Töne.
Der Lärm unseres Alltags kennt viele Töne. Einige hören wir zwar, nehmen sie aber gar nicht mehr war. Sie sind eine Art Hintergrundrauschen. Andere quälen uns permanent. Flugzeuglärm, Zuglärm, Autobahnen. Kaum ein größeres Geschäft ohne Radiobeschallung. Einige haben sich so an den Lärm gewöhnt, daß sie Stille als unangenehm empfinden...